Informatik Bildung
Dierk König Portrait
"Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles vergisst, was man gelernt hat."
zitiert von Werner Heisenberg

Bildung als Wissensvermittlung

Traditionell bildet die ältere Generation die nachfolgende Generation aus, um Erfahrungen weiterzugeben, auf denen die jüngere Generation aufbauen kann.

Das ist sehr aufwändig. Es kostet sehr viel Zeit und Geld und Nerven. Es ist unbequem.

Dafür geht aber das Wissen nicht verloren und es muss nicht jeder das sprichwörtliche "Rad neu erfinden". Etwas formeller gesagt geht es hier um die Effizienz des Wissenserwerbs.

"Wenn ich weiter geblickt habe als andere, dann weil ich auf den Schultern von Riesen stand."
Isaac Newton

Dieses Wissen dient dann dem persönlichen Einkommen, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und dem gesellschaftlichen Fortschritt.

Informatik Wissen

Technisches Spezialwissen ist in der Informatik unverzichtbar und man muss einen genügend grossen Teil davon aufnehmen, um überhaupt arbeiten zu können. Leider ist dieses Wissen schnell veraltet.

Nützlicher ist hier das "Lernen lernen", also zu vermitteln, wie man sich das benötigte Wissen schnell und fachgerecht aneignet. Kinder lernen spontan und intuitiv. Erwachsene lernen durch Verknüpfung von neuen Informationen mit früheren Erfahrungen.

Sprich, für effizientes Lernen brauchen Studierende einen Grundstock an Faktenwissen und Erfahrungen mit Konzepten und Strukturen, an die sie neue Informationen anknüpfen können. Wer zum Beispiel das Konzept "Vererbung" in Java gelernt hat, kann das gleiche Konzept bei der "Prototype chain" in JavaScript wiedererkennen und schnell nutzen.

Eine Welt ohne Menschen würde besser funktionieren

Fakten und Fertigkeiten kann man trainieren. Man kann damit sogar Automaten trainieren.

Statt also die nächste Generation Menschen mühsam auszubilden, könnte man doch die besten Experten zusammenrufen, um all ihr Wissen in KI-Modelle zu giessen: in "skill" files und "MCP" server oder was sonst gerade das Trainingsmittel der Wahl ist.

Dieses Gedankenexperiment fühlt sich sofort "falsch" an (ausser man ist soziopathisch veranlagt). Wichtige Entscheidungen, die Menschen betreffen, kann man nicht Automaten überlassen, die keine persönlichen Erfahrungen haben und keine Verantwortung übernehmen können. So wie man keine Ärztin, keine Richterin und keinen Kindergärtner automatisieren kann, genauso wenig lassen sich Ingenieure ersetzen.

Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Training und Bildung. Faktenwissen allein ist nicht ausreichend. Es braucht Verständnis über die Wirkungen auf die Menschen, die menschlichen Reaktionen, Bedürfnisse und Schwächen, sowie Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft aller Menschen und ihrer Lebensgrundlagen. Das kann nur ein Mensch.

Von Menschen, für Menschen

Wissensvermittlung ist nur der Anlass eines Studiums, nicht der Zweck.

Der Zweck ist, die Studierenden zu begeisterten, eigenständigen, kompetenten, verantwortungsvollen Menschen auszubilden, die ihr Fachgebiet nicht als Job, sondern als Beruf verstehen.

"A student is not a vessel to fill but a torch to light up."
Albert Einstein

Diesen Zweck erreichen wir nicht in der Homeoffice-Isolation. Wir erreichen ihn in der Gemeinschaft: universitas magistrorum et scholarium, der Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden, durch gemeinsames Arbeiten, gemeinsam überwundene Hindernisse und gemeinsame Erfolge.

Gelegentlich mag sogar eine Vorbild-Funktion entstehen: für Kenntnisreichtum, Klarheit, Verlässlichkeit, Begeisterung, Umsicht, Arbeitsethik, Fleiss, oder einfach nur dafür wie man in dem ganzen Tumult ein Mensch bleibt.